Musik

Lana Del Rey

Schon seit etlichen Wochen schleicht sich der Sound von “Video Games” durch die Ohren und Gemüter der Welt, die der Song von Lana Del Rey zutiefst melancholisch anrührt. So zieht es sich durch ihr gesamtes musikalisches Schaffen, dass von Liebe und Verzweiflung, Verlust und Verderben zu erzählen weiß, ohne sich dabei auf das Altbekannte zu berufen.

Popmusik © entelechie - Fotolia.com

Popmusik © entelechie - Fotolia.com

So zeigt sich Lana Del Rey nun gekonnt mit ein wenig Retro-Look gemischt mit Hollywood-Glamour, den Augen der Welt als neuer und lang ersehnter Star am Musikhimmel, auf den man mit all seinen todtraurigen Melodien schon seit Langem zu warten schien. Nun ist sie da und hat ihr erstes Album im Gepäck.

Doch bereits vor mehreren Monaten wurde der Hype um die 25-jährige Amerikanerin immer lauter. Sämtliche Medien, auch Blogs und Soziale Netzwerke berichteten über die junge und ergreifend starke Stimme, der man überschwänglich eine Weltkarriere voraussagte. Auf der Liste der Wichtigkeiten für 2012 hatte man ihr längst einen festen Platz zugeschrieben und ein wahres Mysterium baute sich rund um ihre bekanntesten Songs “Video Games” und “Blue Jeans” auf, gegen das die Hörer und Neugierigen mit Youtube und Co. angingen.

Nun darf man also auf das erste Album gespannt sein, dass scheinbar soviel Arbeit in letzter Sekunde forderte, dass man seine Veröffentlichung zeitweise auf März verschieben wollte. Doch “Born To Die” ist nun fester Bestandteil der Popalben-Regale und liefert in Sachen Sound und Text einen soliden Auftritt, für diejenigen, die sich schon lange mehr als einen bilderreichen Internetauftritt von Lana Del Rey gewünscht haben.

Marketing hin oder her, für die gerührte Seele warten auf der Platte sowohl Rock´n Roll mit Gitarrenklang als auch ganz im Sinne der Popmusik lange Keyboard-Einheiten. Wenn auch ohne die ganze Bildinszenierung die ein oder andere Melodie nicht all zu mitreißend erscheint, werden sich die Fans der melancholischen Stimme auf den Klang freuen.

Kultregisseur Lynch macht Musik

Lynchs Highway © CLIPAREA.com - Fotolia.com

Lynchs Highway © CLIPAREA.com - Fotolia.com

Dass David Lynch ein exzentrischer Zeitgenosse ist, mag vielen Leuten bekannt sein. Richtige Berühmtheit hat der Mann vor allem durch seine Filme erlangt, obwohl er an sich als Multitalent gelten müsste. So umfasste seine Ausbidlung auch den Besuch der Pennsylvania Academy of the Fine Arts in der US-Stadt Philadelphia, auf der er sich vornehmlich dem Malen, Modellieren von Skulpturen und auch der Fotografieren widmete – all das umfasst auch heute noch das breite Interessensfeld seiner Hobbies.

Lynch’s Filmkarriere startete 1966 und setzte sich mit einigen Kurzfilmen fort, gefolgt vom bereits erste Anerkennung findenden “Eraserhead” bis hin zum 1980 erschienenen “Der Elefantenmensch”, der sogar acht Oscarnominierungen einheimste. Heutzutage ist Lynch vorallem durch seine verrückten und sehr sutbilen, psychologisch eingehenden Filmwerke bekannt. Am besten zu nennen sind dabei Mullholland Drive, Lost Highway oder aber auch sein kultiges Serienformat “Twin Peaks“. 

Dass der Paradiesvogel Lynch so einiges zu bieten hat, und nicht zuletzt auch noch einen selbst entworfenen Club in der Modehaupstadt Paris eröffnete, der den bedeutungsschwangeren Namen “Silencio” erhielt und in dem sich der ein oder andere Boheme und die halbe Starwelt von Paris tummelt, mag niemanden mehr so richtig überraschen. Die wahre Überraschung jedoch kommt mit seinem neuen Album “Crazy Clown Time”. 

Das erste Solowerk des Künstlers ist das Produkt der langjährigen Zusammenarbeit mit Komponist Angelo Badalamenti und nur so gespickt mit weiteren guten Kollaborationen, so auch mit Karen O von der Indieband Yeah Yeah Yeahs. Bereits die Vorabsingle erregte aufsehen mit Remixes von Größen wie unter anderem Alex Ridha aka Boys Noize. 

Dass dem musikalischen Schaffen wohl auch kein Ende gesetzt ist, scheint sich bereits abzuzeichnen: Goth-Rock-Star Zola Jesus neue Single “In Your Nature” erfährt einen Remix durch keinen Geringeren als – ihr werdet es erraten – dem Großmeister selbst: David Lynch.

Leslie Feist in Berlin

Quelle: Flickr/Paul Schreiber

Quelle: Flickr/Paul Schreiber

Die kanadische Sängerin Leslie Feist ist am 22.10.2011 im Berliner Tempodrom aufgetreten. Die Ausnahmemusikerin, die viele Zuhörer mit Einfühlungsvermögen verzaubert und dort abholt wo sie stehen, begeisterte auch diesmal. Auch wenn der Saal nicht gerade das richtige Klima hatte, waren die Fans begeistert. Trotzdem muss gesagt werden, dass Sitzplätze bei solchen Konzerten meistens kontraproduktiv sind. Besucher solcher Konzerte werden dazu gezwungen, sich im Zaun zu halten und das hat oftmals Auswirkungen auf die Stimmung.

Doch viele der Fans wollten sich diesen Abend durch die Kühle des Saals nicht verderben lassen und schienen auch mit diesen Gegebenheiten vollends zufrieden zu sein. Es war der erste und gleichzeitig einzige Auftritt ihrer Tournee in Deutschland. Doch sie enttäuschte ihre Fans nicht. Ganze zwei Stunden stand Feist auf der Bühne und präsentierte sowohl alte als auch neue Songs. Noch Minuten vor dem Konzertbeginn hatten viele Fans versucht, vor dem Tempodrom, noch an eine Karte zu kommen.

Imposant war der Auftritt allemal. Über der Bühne hing eine überdimensional große Leinwand, die die Sängerin und ihre Band zeigte. Das Publikum war begeistert, als die Sängerin mit ihrer außergewöhnlichen Stimme die Songs performte. Bereits beim ersten Song, den Feist vorgetragen hatte ‘ Undiscovered First’ war das Publikum begeistert aufgestanden. Eine bombastische Show mit Trommeln, Gitarren, Schellen und Choreinlagen ließ die Besucher des Konzerts an indianische Rhythmen erinnern.

Feist selbst schien bei sich angekommen zu sein und begeisterte die Fans mit Songs auch aus ihrem vierten Album. In ihrem Repertoire hatte sie sowohl Balladen als auch Rockabilly-Interpretationen ihrer Songs, wie beispielsweise vom Song ‘I Feel It All’.

Zum Schluss holte Feist auch das Publikum auf die Bühne, um mit ihm zu tanzen. Für diejenigen, die mit auf der Bühne waren, war es allemal ein unvergesslicher Abend.

 

Der Deutsche Radiopreis 2011

Herbert Grönemeyer live on U2005.com/Flickr.com

Herbert Grönemeyer live on U2005.com/Flickr.com

Die Verleihung des Deutschen Radiopreises steht wieder bevor: Am 8. September 2011 geht es in Hamburg im „Schuppen 52“ am Hafen rund. In zehn Kategorien von „Bester Comedy“ über „Beste Morgensendung“ bis „Beste Höreraktion“ werden private und öffentlich-rechtliche Radiosender und deren Mitarbeiter ausgezeichnet. Die Jury rekrutiert sich vom Deutschen Grimme-Institut, moderiert wird von Barbara Schöneberger. Die Ehre, die Preise zu überreichen, haben unter anderem Tim Mälzer, Sonya Kraus und Bülent Ceylan. Auch große internationale Stars wie James Blunt und Herbert Grönemeyer werden neben weiteren Künstlern auftreten. Keine Sorge, falls sie noch kein Ticket haben: Die Show wird live in zahlreichen Radiosendern, in mehreren dritten Fernsehprogrammen der ARD und im Internet als Livestream übertragen.

Nun sind einige Neuigkeiten durchgesickert. Unter anderem sind zwei Moderatorinnen von Radio Hamburg nominiert. Das ist Hamburgers erster lizensierter privater Radiosender, der seit 1986 seine Sendungen ausstrahlt. Von 1993 bis Ende 2006 war er Marktführer in Hamburg, derzeit hören gut eine Millionen Menschen täglich sein Programm. Im letzten Jahr hat der Radiosender schon einen Preis abräumen können: Der Moderator John Ment erhielt für seine „beeindruckende Lebensleistung“ einen der vier Sonderpreise. Er ist seit 1989 durchgängig als Moderator des Morgen-Programms tätig und so zum Markenzeichen für Radio Hamburg geworden.

In diesem Jahr sind es die Moderatorinnen Indra Gerdes und Chrissie Weiss, die für Radio Hamburg den begehrten Preis abräumen könnten. Indra Gerdes ist in der Kategorie „Beste Moderatorin“ nominiert, Chrissie Weiss für das „Beste Interview“. Lustig, dass der Chef des Grimme-Instituts persönlich in Weiss’ Sendung angerufen hat, um ihre Nomination bekannt zu geben. So verfolgten tausende Zuhörer, wie Weiss nach dem Telefonat erst mal vor Glück in Tränen ausbrach. Da bleibt uns nur noch eins: Nämlich am 8. September ganz feste die Daumen für die Damen von Radio Hamburg zu drücken!

So war das Dockville 2011

Seit einigen Jahren gehört das Dockville wohl zu den populärsten Indie-Festivals Deutschland und konnte auch in diesem Jahr wieder 20 000 Menschen an die Bühnen locken. Und das ganze sogar trotz des schlechten Wetters, was für einige Beobachter eine wahre Überraschung gewesen sein wird. Doch die Hamburger und deren Dockville Besucher sind halt hart im Nehmen, und solch ein bisschen Wasser kann denen gar nichts anhaben, geschweige denn sie von einem Festival und ihren Bands abhalten.

So waren die Besucher von der Musik begeistert. Jedoch war es gar nicht so leicht zu den Bühnen vorzudringen. Denn wer keine Gummistiefel anhatte war ganz klar im Nachteil. So waren die ganzen Flächen vor den Bühnen derart zugeschlammt, dass sich keine einzige trockene Stelle fand. Die Veranstalter wollten zwar dagegen wirken, konnten mir ihren wenigen kleinen Kiessäcken auch nicht wirklich etwas ausrichten, sodass diese Maßnahme wirkungslos verpuffte. So kam es, dass vor der Hauptbühne jeder Zuschauer mindestens Knöcheltief im Schlamm stand und somit festverankerter Zuschauer war. Wer sich zur Nebenbühne begab konnte erleben was es bedeutet so richtig im Schlamm zu versinken. Denn dort schafften es einige Zuschauer tatsächlich knietief im Schlamm zu versinken und somit in Hüfthöhe ihrer Band zu zujubeln.

Musikalisch und organisatorisch gesehen war das Dockville jedoch ein voller Erfolg, wofür an sich auch schon die große Zuschaueranzahl trotz des schlechten Wetters spricht. So waren die Besucher begeistert und ließen sich von Nässe, Kälte und Dreck nicht abschrecken, sondern ließen sich ganz im Gegenteil viel mehr zu wilden Pogos und wärmebringenden Tänzen hinreißen.

Man darf somit erwartungsvoll auf das Dockville 2012 gespannt sein, welches dann hoffentlich bei angenehmen 28 Grad und Trockenheit gefeiert wird. Das ist uns das Wetter einfach schuldig.

Schlamm auf dem Dockville 2011, Foto: brainbitch_flickr

 

Kultband: Rise Against

Rise Against von flickrenric/Flickr.com

Rise Against von flickrenric/Flickr.com

Dass Rise Against mittlerweile eine Kultband geworden ist, lässt sich nicht leugnen. Dies zeigt zumindest das Verhalten des Publikums, das beim Betreten der Band laut „Rise“ schreit. Schon selbst bei der Vorband sind die Rufe deutlich zu vernehmen. Auch nicht ohne Grund, schließlich hat die vierköpfige Band aus Chicago mit ihrem neuen Album „Endgame“ ein Punktlandung auf den ersten Platz in deutschen Album-Charts geschafft.

Auch die Deutschland-Tour der Band aus Amerika war schon im März ausverkauft. Auch wenn man es kaum glauben kann: Laut Erfahrungsberichten sind die Bandmitglieder dennoch auf den Boden der Tatsachen geblieben und geben sogar kleinen Bands die Chance zu spielen. Diese treten bei Konzerten dann als Vorband auf. Aber auch bei offiziellen Auftritten sagen die vier Jungs von Rise Against ihre Meinung zu Problemen in der Welt und vertreten so ein sozialverantwortliches Interesse.

Bei den Konzerten spielen sie dennoch Klassiker wie „Ready to Fall“, „Prayer of the Refugee“ und „Audience of One“. Allerdings auch neue Hits wie „Make It Stop“ kommen bei den Fans richtig gut an. Die Fans singen nicht nur die Lieder, sie rufen immer wieder “Rise” und stampfen mit den Füßen auf den Fußboden. Und auch der Sänger untermalt seine Verbundenheit zu den Fans, indem er es in Liedpausen erkenntlich macht. Wer bei den Konzerten das Glück hatte, eine Karte zu ergattern, erlebte ein stimmungsgeladenes Konzert. Die Konzertbesucher scheinen jedenfalls immer glücklich zu sein, wenn sie aus der Konzerthalle gehen. Dabei geben die Texte allerdings eigentlich überhaupt keinen Anlass zur Glückseligkeit. Dort singen sie nämlich von Problemen aus der Welt. Es werden Themen wie Krieg, Umweltzerstörung, Tierquälerei, Homophobie und vieles weitere Probleme angesprochen.

Bleibt zu hoffen, dass die Fans bei all der emotionsgeladenen Stimmung ab und an auch auf die Texte achten, selbst wenn diese euphorisch ins Mikrofon gesungen werden.

 

Max Raabe live

Max Raabe live, Foto: novopics_flickr

Am 20.08.2011 war es in Berlin mal wieder so weit. Max Raabe gab in der Waldbühne in Charlottenburg ein Open Air Konzert. Fünfzehntausend Fans sind gekommen. Diese bestanden aus unterschiedlichsten Generationen. Junge Paare, mittelalte Frauen und Rentner mischten sich, um der Musik zu lauschen. Mit den gewitzten Schlagern der 1920er und 30er Jahre hat Max Raabe das breit gefächerte Publikum erobert und es scheint ihn nicht loslassen zu wollen. Auch seine neuen Lieder, die mit Annette Humpe zusammen geschrieben wurden, fanden großen Anklang.

Die Begeisterung, die das Publikum ihm entgegen brachte, schien bei ihm keine großen Regungen hervor zu rufen. Es ist allgemein bekannt, dass es keine großen Gesten vom Raabe zu erwarten gibt. Somit sind ein Kopfnicken und das Hochziehen einer Augenbraue sehr bekannte und beliebte Gesten, die er gelegentlich dem Publikum schenkt.

Den Anfang des Konzerts bildete ein Lied von seinem neuen Album „Ich bin nur wegen dir hier“, was für große Lacher sorgte. Mühelos konnten die neuen Lieder an die vergangenen anknüpfen und wie immer begeistern. Das nebeneinander von Alt und Neu und Jung und Alt glückt dank der ewig gleichen Mischung aus Tiefsinn und Albernheit, die sich durch die Chansons ziehen. Die Verbindung klappt auch so gut, da Raabe immer Zeit für einen witzigen Kommentar ohne nur das kleinste Schmunzeln seinerseits hat.

Im Dunkel der Nacht hört man das summen des Publikums zum Gesang „Ich tanze mit dir in den Himmel hinein“ und eine ruhige Stimmung breitet sich in der Waldbühne aus. Nach drei Zugaben und einem Schlaflied von Max Raabe leert sich erstaunlich schnell und ruhig die Waldbühne und alles scheint für einen Moment in Frieden zu sein.