Radio

Der unrühmliche Abgang des Ken J.

© Michael Schmidt-Ott - Fotolia.com

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Bis der RBB im November den umstrittenen Moderator Ken Jebsen vom Sender nahm, machte er fast sein Leben lang Jugendradio. Doch dann kamen die Vorwürfe gegen ihn – er sei ein Antisemit, Holocaust-Leugner und habe gegen journalistische Standards verstoßen.

Hier der Hintergrund der ganzen Affäre: in einer Mail, die Jebsen nach einer Sendung an einen Hörer schreibt, hieß es unter Anderem, dass Jensen wisse, wer den Holocaust als PR erfunden habe. Später wurde dieses Schreiben durch den Journalist und früheren SPIEGEL-Autor Henryk M. Broder auf dessen Blog veröffentlicht. Jebsen wies die Vorwürfe in YouTube-Video zurück. Darin sagt er, dass die Vorwürfe gegen ihn aus dem Zusammenhang gerissen seien, dass er sich als Humanisten und Demokraten versteht und für kritischen Journalismus steht. Dann lud er sogar seinen Kontrahenten Broder demonstrativ in seine Sendung ein. Doch Broder lehnte ab und verwies dabei darauf, dass mit Holocaust-Äußerung Grenzen überschritten seien. 

Der Sender RBB hat seinen Moderator Jensen, der die Sonntagnachmittag-Sendung “KenFM” seit zehn Jahren moderierte, gegen die Vorwürfe zuerst verteidigt. Trotzdem musste Jensen zwischenzeitlich vom Mikrofon zurücktreten, eine Sendung wurde sogar ausgesetzt. Zwischenzeitlich vereinbarte der Sender mit dem 45-Jährigen aber neue Regeln- journalistische Standards sollen eingehalten werden, außerdem sollte der Politikanteil in der Sendung reduziert werden. Man könnte also fast sagen, dass Jensen in dieser Zeit auf Bewährung war. In der ersten Sendung nach dem Eklat entschuldigte sich Jebsen und wehrte sich gleichzeitig wieder gegen die Antisemitismusvorwürfe. 

Doch dann wurde der öffentliche Druck auf den Sender zu stark und Jensen wurde gefeuert. Angeblich wurde er vom Sender genommen, weil zahlreiche Beiträge aus seinen Sendungen nicht den journalistischen Standards des RBB entsprachen.

Der Deutsche Radiopreis 2011

Herbert Grönemeyer live on U2005.com/Flickr.com

Herbert Grönemeyer live on U2005.com/Flickr.com

Die Verleihung des Deutschen Radiopreises steht wieder bevor: Am 8. September 2011 geht es in Hamburg im „Schuppen 52“ am Hafen rund. In zehn Kategorien von „Bester Comedy“ über „Beste Morgensendung“ bis „Beste Höreraktion“ werden private und öffentlich-rechtliche Radiosender und deren Mitarbeiter ausgezeichnet. Die Jury rekrutiert sich vom Deutschen Grimme-Institut, moderiert wird von Barbara Schöneberger. Die Ehre, die Preise zu überreichen, haben unter anderem Tim Mälzer, Sonya Kraus und Bülent Ceylan. Auch große internationale Stars wie James Blunt und Herbert Grönemeyer werden neben weiteren Künstlern auftreten. Keine Sorge, falls sie noch kein Ticket haben: Die Show wird live in zahlreichen Radiosendern, in mehreren dritten Fernsehprogrammen der ARD und im Internet als Livestream übertragen.

Nun sind einige Neuigkeiten durchgesickert. Unter anderem sind zwei Moderatorinnen von Radio Hamburg nominiert. Das ist Hamburgers erster lizensierter privater Radiosender, der seit 1986 seine Sendungen ausstrahlt. Von 1993 bis Ende 2006 war er Marktführer in Hamburg, derzeit hören gut eine Millionen Menschen täglich sein Programm. Im letzten Jahr hat der Radiosender schon einen Preis abräumen können: Der Moderator John Ment erhielt für seine „beeindruckende Lebensleistung“ einen der vier Sonderpreise. Er ist seit 1989 durchgängig als Moderator des Morgen-Programms tätig und so zum Markenzeichen für Radio Hamburg geworden.

In diesem Jahr sind es die Moderatorinnen Indra Gerdes und Chrissie Weiss, die für Radio Hamburg den begehrten Preis abräumen könnten. Indra Gerdes ist in der Kategorie „Beste Moderatorin“ nominiert, Chrissie Weiss für das „Beste Interview“. Lustig, dass der Chef des Grimme-Instituts persönlich in Weiss’ Sendung angerufen hat, um ihre Nomination bekannt zu geben. So verfolgten tausende Zuhörer, wie Weiss nach dem Telefonat erst mal vor Glück in Tränen ausbrach. Da bleibt uns nur noch eins: Nämlich am 8. September ganz feste die Daumen für die Damen von Radio Hamburg zu drücken!