Was die Deutschen lesen

Buch, Foto von rosmary/flickr.com

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Eigentlich sollte es doch überraschend klingen, wenn man hört, dass nun ausgerechnet ein Fußballer die heiß ersehnte zweite Veröffentlichung von Charlotte Roche von der Bestsellerliste stieß. Nur eigentlich- denn schaut man sich die Woche an nachdem Philipp Lahm sein Buch „Der feine Unterschied“ veröffentlichte, fällt auf, dass diese geprägt ist von eher ungewöhnlichen Autoren und doch auch unerwarteten Werken. Herr Völler und Herr Löw folgten dem Fußballerbeispiel und schließen sich dem Pfad an, den man den Ballsportlern nicht in erster Linie zutrauen würde.

Die Bild-Zeitung nahm die Überraschung schon ein wenig vorweg und sorgte bereits vorher mit ersten abgedruckten Auszügen aus Lahms Buch für Aufregung.

Ein ganz so großer Überflieger der Bestsellerlisten ist er jedoch nicht, das zeigen Amazon, Spiegel und Focus. Während das Buch Heribert Schwans über Hannelore Kohl bei den Sachbüchern auf Platz eins glänzt, schafft es Philipp Lahm nur auf den 16. Platz. Vorerst mit einer Auflage von 100 000 Exemplaren begann sein Verlag. Fräulein Roche hingegen trifft den Zeitgeist der Deutschen sogleich mit 500 000 Exemplaren.

Doch scheinbar rührt auch Fußball stark die deutschen Herzen an. Das Angebot bedient die Schlüsselthemen. Sex kommt nie aus der Mode und ist auch unter Lesern immer interessant, die Familie Kohl setzt sich mit den Problemen hinter der netten Familienfassade auseinander- auch das ist nahezu jedem selbst bekannt und liest sich über berühmte Personen natürlich umso besser. Nun reizt auch der Sport, nicht nur im Stadion, sondern auch in Hoffnung auf interne Neuigkeiten aus der Branche, den kleinen oder größeren Streitigkeiten und Lästereien über ehemalige Trainer. All das auch noch, ohne wirklich brisant zu werden.

Es bleibt also abzuwarten, ob Fußballfans im Buchhandel ebenso leidenschaftlich sind wie im Stadion und die Kohl-Geschichte nicht doch noch von der Lahms verdrängt wird.

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